#97 - Zu Hause

Hallo Ihr Lieben,

es tut mir wirklich Leid, dass ich mich erst jetzt melde. Wirklich! Nun ist schon genau EIN MONAT seit meiner Heimkehr vergangen. Ein Monat -  das ist echt unfassbar. Ich hatte viel zu tun: Da ich momentan meinen Führerschein mache und den auch so schnell wie möglich bestehen möchte, habe ich mich für eine Intensivfahrschule entschieden und ging somit die ersten zwei Wochen durchgängig jeden Abend zum Theorieunterricht. Dann kamen Arzttermine, Freunde, Familie, etc dazwischen. Außerdem habe ich meinen Googleaccount mit einer Pin gesperrt, die mir bei jeder Anmeldung an mein Handy geschickt wird. Jedoch habe ich nun eine neue Nummer und kam bis eben nicht mehr an meine alte Nummer ran. Wie man sieht, ist das ein wenig kompliziert, aber nun komme ich endlich zu einem Beitrag.

Eines könnt Ihr mir glauben - ich bin echt total froh, endlich wieder daheim zu sein. Zu Hause ist es dann doch immer am schönsten :-)

 Mein Abschied war komisch. Der Freund meiner Gastmama ist nicht mit zum Flughafen gekommen, da er anscheinend keine Abschiede mag. Ich fand es etwas traurig und schade, aber ich hätte ihn auch zu nichts zwingen können. Wir haben dann ca. eine Stunde zum Flughafen gebraucht und saßen dann dort auch noch eine bis anderthalb Stunden, haben gegessen, getrunken, geredet, Fotos geschossen und gewartet. Der Flughafen ist ein sehr sehr kleiner. Ein ganz kleines Gebäude mit einem Blechdach in Wellenform (wie auf Garagen), drei Stellplätzen für kleine Flugzeuge (wirklich nur Embraers), drei Check-in Schaltern und in etwa 15 Stühlen zum Warten. Aber das reicht ja natürlich aus. Wir saßen also dort und als die Stunde des Abschieds kam, haben wir drei uns umarmt, mir kullerte eine Träne über die Wange und das war es auch schon. Sehr komisch, finde ich. Wir haben auch die ganze Zeit davor noch gelacht. Dann ging es sofort in das Flugzeug und erst als ich mich hinsetzte, fing ich mit dem Weinen an. Der Flug verspätete sich um ca. eine halbe Stunde und somit kam ich auch verspätet in Belo Horizonte an. Dort habe ich den Flieger nach Rio gewechselt, in welchem ich dann auch eigentlich Nina und Tabea treffen sollte. Da die beiden aber ihren Flieger verpasst haben, bin ich alleine nach Rio geflogen. Dort wurde ich total herzlich von Ruy, dem Koordinator von YFU Brasilien, und zwei weiteren YFU Mitarbeiterinnen empfangen und zum Hotel gebracht. Nach 15 Minuten sind wir dann auch schon sofort nach Copacabana (Stadtviertel) in ein Restaurant, das direkt am Strand war, gefahren und haben zu Abend gegessen. Nach einer Stunde kam dann auch Ruy, der noch auf Nina und Tabea am Flughafen gewartet hat.

Am nächsten Morgen um sieben kamen die beiden mit dem nächsten Flieger zu mir ins Hotel und wir haben alle gemeinsam gefrühstückt. Danach haben wir uns mit den Mitarbeitern von YFU an den Pool gesetzt und eine Art "Besprechung" über das Austauschjahr gemacht.
Nach diesem kurzen Seminar hat uns eine andere Frau von YFU auf eine kleine Stadtrundfahrt mitgenommen und somit haben wir Rio ein bisschen kennengelernt. Es war wirklich ATEMBERAUBEND. Wirklich - Rio ist so wunderschön. Nach ca. zwei Stunden sind wir dann zum Flughafen gefahren und haben nach und nach alle anderen getroffen. Um 13 Uhr waren wir am Flughafen und um 19 Uhr begann der Check-in, das Boarding jedoch erst um 22 Uhr. Die lange Wartezeit verbrachten wir in einer extra eingerichteten Wartehalle für Durchreiser mit langer Aufenthaltszeit. Dort drin befanden sich Liegen, Kissen, Steckdosen (für jede Liegeecke bestimmt 10 Stück) und ein großer Fernseher zum Fußballgucken. Außerdem gab es Automaten mit Süßigkeiten, Trinken, usw.
Der Flug war sehr angenehm und auch wenn es in Europa bereits hell war und wir die meiste Zeit im Morgengrauen geflogen sind, sollten alle Fenster zum Schlafen geschlossen bleiben. Also hatte ich auch keinerlei Probleme mit einem Jetlag.

Als ich dann zu Hause angekommen bin, waren alle Sorgen, die ich am Ende hatte, wie weggeblasen. Wir sind in die Gepäckausgabe gekommen und haben alle wie wild nach links zur Tür geguckt, die sich andauernd öffnete. Bei jedem Öffnen sah man verrückt gewordene Menschen mit deutschen und brasilianischen Fahnen, Schildern, Plakaten und vor allem sahen wir unsere Familien und Freunde. Als ich dann alle Gepäckstücke beisammen hatte, habe ich mich auf den Weg zu meiner Familie gemacht. Die Tür ging auf und man hörte nur Geschreie. Sofort habe ich alle umarmt  und bin auch in Tränen ausgebrochen. In diesem Moment konnte ich mich zum ersten Mal nach einem Jahr wieder so richtig in die Arme von jemandem fallen lassen und es tat so gut. Die Krönung des Abends war dann, dass meine Freunde auf meinem Hof mit Plakaten (die sie damals auch beim Abschied benutzt hatten) auf mich warteten und wir dann alle gemeinsam bei uns im Restaurant gegessen haben. Ich war zwar fix und fertig, aber glücklich wie nie zuvor.

Ich lernte auch endlich unsere Austauschschülerin aus Chile kennen und kam auch sofort super mit ihr klar. Nun ist sie aber leider gestern früh schon wieder abgereist, was mich wirklich sehr sehr traurig macht, denn ich habe mich wirklich an sie gewöhnt. Die ganze Zeit habe ich in der Nachbarswohnung in unserem Haus gewohnt und nun bin ich seit einer Nacht wieder in meinem eigenen Zimmer. Es ist komisch, es nun wieder so leer zu sehen. Vorgestern lebte schließlich noch Ignacia hier drin und hatte all ihre Sachen. Aber naja, so ist es nunmal leider und ich werde sie bestimmt nochmal wieder sehen. Eines steht jetzt schon fest: ICH WILL NACH CHILE!

Nun folgen noch einige Bilder vom Abflug und dem Tag in Rio. Ich hoffe, dass Euch das Lesen Spaß gemacht hat und Ihr nicht allzu sauer seid, dass ich mich erst nach einem Monat bei Euch melde. Es kommt bestimmt nochmal irgendwann ein Beitrag von mir. Wann das sein wird, weiß ich nicht, aber ich verspreche, dass es hiermit noch nicht zuende ist.

Bis dahin macht es gut und fühlt Euch alle gedrückt. Ihr seid tolle Leser! Danke


 Einfahrt in den Naturschutzwald




 Der winzige Flughafen mitten im Urwald


 Mein Zimmer in Rio
Der Pool :D


VW Hamburgo (Hamburg)


 Praia vermelha (roter Strand) am Zuckerhut
 Praia vermelha und Zuckerhut


 Tabea und ich vor dem Zuckerhut



 Meine Schuhe wollten dann auch nochmal baden gehen
 Der Christus


 Copacabana Palace - ein sehr teures Hotel





 Eine Extrahalle für Reisende mit langem Aufenthalt mit Steckdosen, Betten, Leinwand, etc.
 Mein toller Empfangstisch zu Hause♥♥♥










Kommentare

  1. Oh Jessi, mit Deinem Blogeintrag habe ich nochmal unseren Abflugtag genau vor dem Augen. Wie sehr ich Brasilien vermisse :( Ich komme momentan so gar nicht mit Deutschland klar. In Brasilien fiel mir das Einleben so leicht, aber auf einen Deutschland-Schock war ich kein bisschen vorbereitet. Ganz schlimm :( Ich guck schon dauernd nach Rückflügen... aber ich freue mich, dass Dir das Wiedereinleben so leicht fällt :) Beijos

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    1. Uiuiui, das tut mir echt Leid, aber hey, das schaffst Du schon! :-) Mir fiel es nur in den ersten drei bis vier Tagen etwas schwerer, aber nun bin ich wieder voll und ganz daheim und auch unwahrscheinlich froh darüber. Brasilien ist ein tolles Land und die Menschen sind super lieb, aber zehn Monate haben mir nun erstmal genügt :D
      Beiiijos e até logo

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