#86 - Esskultur

Hallo Ihr Lieben,

ich hoffe wie immer, dass Euch allen gut geht. Mir geht es auch gut, jedoch vermisse ich momentan wieder sehr vieles aus der Heimat. Vor allem, wenn man sich das mal bewusst macht und damit anfängt, über das Essen von daheim nachzudenken, ist es wie in einer Abwärtsspirale.
Heute im Geschichtsunterricht ist genau das mit mir passiert :D Nunja, immerhin weiß ich nun, dass Franzbrötchen etwas typisches aus Hamburg ist und wie man diese herstellt. Ich habe die gerne in der Cafeteria in der Schule gegessen und hatte hier auch mal wieder Lust drauf. Also habe ich ein schnelles und einfaches Rezept im Internet gefunden, was ich bald ausprobieren werde. Meine Gastfamilie mag zwar nicht so gerne Zimt, aber ich wollte es trotzdem gerne machen. Erstens, weil ich es liebe und zweitens karamelisiert sich das Zimt-Zucker-Gemisch ja und das schmeckt einfach viel besser als purer Zimt, sodass sie es vielleicht mögen könnten.

Ein weiterer Aspekt ist die gute alte Brotzeit. Ja ich weiß, in Bayern ist das viel üblicher als bei uns im Norden, aber ich finde, dass das "Abendbrot" etwas typisch Deutsches ist. Vielleicht fragt sich der eine oder andere nun, warum ich so etwas einfaches vermisse. Die Antwort ist simpel: Hier gibt es nur Weichbrot, also nur Toast und solche Milchbrötchen. Zwar gibt es auch Vollkorntoast, aber es ist genauso fein gemahlen wie das weiße Toast. Also hat es keinen besonderen Geschmack, man hat nichts zum Kauen und sättigen tut es mich nicht wirklich :D Manche Supermärkte verkaufen hier sogar Schwarzbrot und in Belém stand tatsächlich "Schwarzbrot" auf der Verpackung drauf. Aber wie ich bereits sagte: Toast! Und das ist auch nicht dunkler als Vollkorntoast. Bisher habe ich auch nur zwei Käsesorten gesehen: Scheibletten- und so einen geschmackslosen gelben Käse, der aussieht wie Gouda, aber die Aufschrift "Queijo mussarela". Der ist zwar in Scheiben geschnitten und hellgelb, aber er schmeckt halt nach nichts :D Finde ich persönlich schade, da ich ein Käseliebhaber bin, aber zu Hause habe ich ja meinen guten mittelalten Gouda wieder. Das, was ich hier besonders gerne mag, ist in Scheiben geschnittene Putenbrust. Die schmeckt auch hier total lecker.
Für Brasilianer ist es eher üblich, diese weichen, milchbrötchenartigen Brote einfach nur mit Butter und einer Tasse Kaffee mit Milch und Zucker zu essen. Ich mag das nicht so gerne, da ich weißes Brot (bis auf die Brötchen vom Bäcker zu Hause) nicht mag und deshalb esse ich meistens das Vollkorntoast mit Salat, Käse/Pute und Gurke oben drauf. Anfangs wurde ich deshalb echt komisch angeguckt, aber mittlerweile kennt meine Familie es bereits von mir :D

Den größten Unterschied von den Mahlzeiten empfinde ich beim Frühstück. Mir ist das Frühstück wichtig und ich esse morgens gerne und ausgiebig :D Und Brasilianer geben sich mit einer Tasse Kaffee oder Kakao zufrieden und wenn überhaupt, wird noch ein Brötchen mit Butter gegessen. Da die Brasilianer üblicherweise aber auch schon um 12 Uhr zu Mittag essen, geht das noch, dennoch ist es für mich ungewohnt. Für mich ist die Frühstückszeit Zeit für entweder frische Brötchen mit Wurst und Käse, Müsli mit Joghurt oder Milch und im Sommer auf jeden Fall Früchte / Saft / Smoothie. Ich trinke und mag auch nur Säfte, die zu 100% aus Frucht bestehen, also für uns Deutschen ganz normale Orangensäfte, etc. Hier bedeutet "Saft" halb Saft, halb Wasser und noch ganz viel Zucker dazu. Das musste ich auch erstmal lernen, immer "natürlichen Saft ohne Wasser und Zucker" zu sagen :D Da kommt man sich teilweise sogar schon etwas überheblich vor, wenn man mit jemandem darüber redet, wie man in der Heimat normalerweise frühstückt. Aber es ist halt so, so bin ich es gewohnt.

Das Mittagessen liebe ich hier eigentlich. Es gibt immer sehr viel Auswahl. Jeden Tag gibt es Fleisch (Huhn), was ich aber langsam schon nicht mehr so gut finde, Reis/Nudeln und Kartoffeln, oft Bohnen und die Nudeln oder der Reis werden mit frischer Petersilie angebraten. Das schmeckt mir total gut. Sonntags gibt es dann meistens Churrasco (Grillfleisch) :-)

Vielleicht mag sich vieles nun negativ angehört haben, aber wenn man für so lange Zeit in einem anderen Land lebt, die eine komplett verschiedene Esskultur pflegt, vermisst man nach einer Zeit schon das ein oder andere Produkt aus der Heimat. Momentan wird die Liste immer Länger, aber ich habe all' dies ja schon bald wieder :-)

Nun wollte ich mal etwas tun, was vielen zukünftigen Austauschschülern in Brasilien vielleicht ein wenig helfen kann - ein paar Vokabeln zum Thema Essen. Ich habe es blockweise in die Mahlzeiten eingeteilt.

Frühstück - Café da manhã
Brot - Pão
Butter (mit/ohne Salz) - Manteiga (com/sem sal)
Käse - Queijo
Müsli - Cereal (Schokobällchen, Cornflakes, etc.), Granola (Granola / richtiges Müsli)
Milch (fettarme/Sojamilch) - Leite (desnatado/de soja)
Joghurt (natürlich/fettarm) - Iogurte (natural/desnatado)
Putenbrust - Peito de peru
Schinken - Presunto

Mittagessen - Almoço
Nudeln - Macarrão
Tomatensauce - Molho de tomate
Reis - Arroz
Fleisch - Carne
Hühnchen (-brust) - (Peito de) Frango
Pute (-nbrust) - (Peito de) Peru
Kartoffel - Batata
Kartoffelpüree - Pure de batata
Würstchen - Salsicha
Fisch - Peixe

Abendessen - Janta
Salat - Salada
Salatblatt - Alface
Eisbergsalat - Alface americana
Möhre - Cenoura
Gurke - Pepino
Tomate - Tomate
Paprika - Pimentão
Essig (Balsamico) - Vinagre (de balsamico)
Öl/Olivenöl - Óleo/Azeite

Snack - Lanche
Apfel - Maçã
Ananas - Abacaxi
Banane - Banana
Erdbeere - Morango
Orange - Laranja
Weintraube - Uva
Saft - Suco





Das war es auch schon wieder für heute und ich hoffe, dass ich bald etwas Neues zum Berichten habe. Bis dann  und macht's gut!


Kommentare

  1. Das mit dem Saft geht mir hier genauso... :( ist immer ganz cool, wenn mich alle auslachen, weil ich Wasser trinke, und nicht dieses Gepansche ;)

    Liebe Grüße aus den letzten Chilenischen Sommertagen <3

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    1. Oh, dann bin ich ja nicht die einzige haha..
      Liebe Grüße zurück :-)

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