#71 - Alltag

Nachdem ich später als üblich ins Bett gegangen und nachts ein paar Mal wegen der angenehmen Frische der Klimaanlage aufgewacht bin, stehe ich um punkt sechs Uhr in der Früh auf. Je schlechter und langsamer ich in Deutschland aufstehen konnte, desto besser wache ich hier trotz nach weniger Schlaf auf und bin fit. Nach einem Klopfen an der Tür und einem "Töchter, aufstehen, es ist sechs Uhr" ähnelnden Satz meiner Gastmutter stehe ich also auf, nehme mir meine bereits am Abend zuvor bereitgelegte Schuluniform und meinen Kulturbeutel und mache mich zügig im Bad fertig. Um viertel nach sechs bin ich dann fertig und räume das Bad für meine Gastschwester und währenddessen sie in diesem ist, mische ich zwei Schalen Milch, (Milchpulver) um Müsli zu essen, an. Nachdem wir dann gefrühstückt haben, kommt auch schon ziemlich zeitnah, um zwanzig oder viertel vor sieben, der Schulbus, um uns abzuholen. Dieser ist kein normaler Schulbus, so wie Ihr Euch den nun wahrscheinlich wie aus Deutschland oder den USA vorstellt. Nein, es ist ein umgebauter Sprinter mit ca 15 Sitzen. Beim Einsteigen werden wir mit einem freundlichen "Bom dia" (Guten Morgen) von einer lächelnden Dame, welche die Tür öffnet und schließt und die kleineren Kinder beim Absetzen zur Schulpforte bringt, begrüßt und setzen uns dann hin. Unser gewöhnlicher Platz ist hinten die letzte Reihe, welche aus vier Sitzen besteht. Wir drängeln uns an dem Jungen vorbei, der, aus welchem Grund auch immer, immer im Durchgang sitzt und setzen uns dann hin. Nach und nach werden dann weitere Schüler eingesammelt. Nach 40 bis 45 Minuten holpriger Busfahrt steigen dann drei Schüler der Schule Sophos als letztes aus dem Bus aus und gehen die letzten 50 Meter zu Fuß. Am Tor der Schule werden wir erst skeptischen Blickes von oben bis unten gemustert und wenn alles stimmt, mit einem freundlichen "Bom dia" begrüßt. Die Strickjacken, die meine Gastschwester und ich anhatten, hatten wir vorher bereits im Bus ausgezogen, da man, wenn mit Jacke, nur mit schwarzer Jacke eintreten darf. Nach Betreten der Treppe nach oben werden diese also wieder angezogen und im zweiten Stock sind wir dann auch schon da. Beim Betreten des Klassenraums fällt auf, dass mein Stuhl schon wieder fehlt. Ich sitze in der ersten Reihe und diese wird immer nach hinten verschoben. Da noch nicht so viele Schüler da sind, klaue ich mir einen guten von hinten und setze mich dann an meinen gewöhnlichen Platz vor meinen Nachbarn und neben meine Gastschwester. Nach ca. zehn Minuten beginnt dann auch schon die erste Stunde. Nach drei ganzen Schulstunden haben wir eine halbstündige Pause, in der es erst einmal zum Kiosk geht. Essen! Zur Auswahl gibt es vieles, jedoch warmes. Es gibt mit Fleisch gefüllte Teigtaschen, Hamburger, Hotdogs, Lasagne, Pão de Queijo, Pizza, usw. Ich esse meistens ein Pão de Queijo, welches ein rundes, faustdickes Käseteiggebäck ist, oder eine Teigtasche mit Huhnfüllung :D Alles kostet umgerechnet einen Euro und ein paar Zerquetschte. Dann geht es ab in die W-lan Zone. Mit viel Glück kommt man ins Netz rein, ich schaffe es oft nicht mehr, da schon so viele Schüler eingeloggt sind und das Netz dadurch überlastet ist. Dann wird also gequatscht, Fotos gemacht oder Musik gehört und nach Ende der Pause geht es dann wieder hoch für die letzten drei Stunden. Meistens halten wir noch einmal am Kiosk, um Lollies für den Unterricht zu kaufen. Die kleinen kosten umgerechnet zehn und die großen zwanzig Cent, also nicht die Welt :D
Nach Schulschluss geht es dann wieder runter und entweder mit einem Freund oder dem öffentlichen Verkehr (umgebauter Sprinter) nach Hause. Da es mit dem Auto nur zehn Minuten dauert, dauert es hingegen mit dem Bus fast anderthalb bis zwei Stunden, bis wir zu Hause ankommen. An der Haltestelle warten viele Leute. Es passieren tausende Busse der Linie 14 und nur wenige mit gelbem Streifen die Haltestelle. Wenn dann einer mit gelbem Streife  anhält, steigen wir ein oder haben Pech und müssen erneut warten, da dieser zu voll ist. Die Fahrt nach zu Hause dauert dann wieder vierzig bis fünfzig Minuten. Am Ziel angekommen, steigen wir aus, zahlen zwei Reais (nicht mal einen Euro) und laufen die restlichen 100 Meter zum Haus zu Fuß. Endlich angekommen, schmeißen wir uns auf unsere Betten, ziehen die Schuhe aus und schalten die Klimaanlage an und kühlen den Raum auf 17 Grad herunter. Nach kurzem Entspannen und eventueller Dusche geht es dann in die Küche. Teller und Besteck schnappen, Essen erhitzen und auf den Tisch stellen, eiskaltes Wasser aus dem Wasserspender zapfen und essen. Meine Gastmutter ist meistens bereits arbeiten, wenn wir wiederkommen, jedoch kocht sie immer schon und das Essen steht dann fertig auf dem Herd und muss nur noch erhitzt werden. Nach dem Essen wird alles wieder abgeräumt und dann erstmal entspannt. Die meisten Brasilianer schlafen erst einmal eine Runde oder gucken Fern oder tun beides. Ich sitze meistens im Wohnzimmer am Handy, wasche ab oder lege mich auch für kurze Zeit hin. Wenn nichts am Tag passiert, wird dann zwischendurch noch einmal etwas gegessen. Vergleichbar mit Müsli, Kakao, Brot, Cookies, etc. Meine Gastschwester und ich sind meistens im Zimmer und sitzen auf den Betten und reden, gucken dabei Fernsehen, sind am Handy oder etwas in der Art. Manchmal spielen wir auch xbox, jedoch ist der Platz im Zimmer zwischen den beiden Betten zu klein. Deshalb wollen wir den Fernseher dafür ins Wohnzimmer verfrachten, um dort auch das neue Nike+ Spiel ausüben zu können. Um acht Uhr abends wird dann zu Abend gegessen und das kann alles sein, aber ich liebe alles, was meine Gastfamilie kocht. Sogar die Bohnen schmecken mir hier richtig gut und ich liebe es, dass sie so oft Nudeln und Huhn essen :D
Danach wird dann geduscht, etc und ich bevorzuge es dann, um zehn Uhr schlafen zu gehen, jedoch ist es dann meistens elf oder später :D

An manchen Tagen haben wir jedoch auch nachmittags Schule und müssen dann um halb vier wieder zum Unterricht dort sein. Da wir mit dem öffentlichen Verkehr dorthin fahren, müssen wir eine Stunde dafür einplanen und schon um halb drei los. Also ziemlich hektisch. Dienstags haben wir von drei bis um vier oder halb fünf oder so Sport und von sieben bis halb neun habe ich dann Spanisch in der Sprachschule. Wir bleiben dann also den ganzen Tag in der Schule und kaufen uns dann etwas zum Essen.

Ja, das ist mein Alltag hier. Es passiert nicht so viel, aber so ist halt der Alltag. Wenn ich mich mit Freunden treffe, passiert natürlich mehr :-)
So, nun war's das auch für heute und ich wünsche Euch einen tollen Tag!

Die besten Grüße ♥

Ps.
Bild 1. Reis, Feijão (Bohnen), Farofa (Krümel), zwei Hähnchenfilets, Pommes, Salat
Bild 2 und 3. Im Shoppingcenter gibt es schon Weihnachtssachen zu kaufen

Kommentare

  1. bei uns sind auch schon Weihnachtssachen zu kaufen hahaha (Y)

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  2. Hi Jessica. Fernsehn und schlafen dabei, das kann Alfred auch und wenn Mama dann den Fernseher abschaltet, wird er wach und fragt was das soll. :-)))

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